Entscheidungen übers Bauland überdenken
Seit September wird das ehemalige Bundesasylzentrum an der Bleichemühlistrasse rückgebaut. Was danach mit dem Areal geschehen soll, ist bisher noch nicht in Stein gemeisselt.
Seit September wird das ehemalige Bundesasylzentrum an der Bleichemühlistrasse rückgebaut. Was danach mit dem Areal geschehen soll, ist bisher noch nicht in Stein gemeisselt.
Altstätten Wenn ein neues Bundesasylzentrum entsteht, muss an anderer Stelle wieder eins weichen. Nach der Fertigstellung des Bundesasylzentrums im Hädler in Altstätten wird das ehemalige Zentrum an der Bleichemühlistrasse seit September rückgebaut. Nach bisherigem Planungsstand rechnet der Altstätter Stadtrat mit einer Aufteilung des Baulandes in acht Bauparzellen. Ein abschliessender Beschluss der Aufteilung und des Verkaufs des Baulandes liege jedoch derzeit noch nicht vor. Nun hat sich vor geraumer Zeit eine Interessengemeinschaft «IG Unterkirlen» formiert, welche den Stadtrat darum bittet, die angedachten Pläne nochmals zu überdenken. «Im Jahr 2016 hat es bei der Abstimmung seitens der Stadt Versprechungen gegeben, dass auf dem Grundstück an der Bleichemühlistrasse Einfamilienhäuser entstehen sollen», erklärt Gian Buschor und ergänzt: «Unsere Angst besteht darin, dass der Stadtrat mit dieser Idee weitermacht und diese nicht mehr hinterfragt wird oder verschiedene Varianten getestet werden.» So soll laut der Interessengemeinschaft eine Fachkommission die heutigen Bedingungen des 5'031 Quadratmeter grossen und 1,55 Millionen Franken teuren Areals nochmals überprüfen. «Das Areal ist flach, gut erschlossen und hat einen eher älteren Baumbestand», schreibt die IG auf ihrem eigens dafür erstellten Instagram- und Facebookprofil anfangs Oktober. Von diesem Baumbestand ist Ende Oktober jedoch nicht mehr viel zu sehen. «Einige der Bäume, die sich auf dem Areal befanden, wurden im Zuge der Rückbauarbeiten gefällt. Die Fällungen wären jedoch nicht alle nötig gewesen», betont Thomas Oesch. Auch er ist Teil der vierköpfigen Interessengemeinschaft.
Mit der Ortsplanungsrevision soll die Parzelle Nr. 4200 von der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen in die Wohnzone 11.5 übergehen. Die IG Unterkirlen, die auch zwei Architekten als ihre Mitglieder zählen dürfen, ist sich sicher: «Statt der Einfamilienhäuser, die hier gebaut werden sollen, soll Wohnraum für Jung und Alt geschaffen werden. So sollen mehr Menschen auf diesem Bauland ein Zuhause finden, als wenn nur Einfamilienhäuser auf den acht Parzellen, die zum Verkauf stehen würden, entstehen». Auch soll sich der Stadtrat überlegen, das Bauland im Baurecht abzugeben, statt dieses parzellenweise zu verkaufen. «Mit einem Baurecht bleibt die Stadt Eigentümerin, erhält jedes Jahr einen Baurechtszins und kann nach Ablauf neu entscheiden», schreibt die IG in einer Medieninformation. Zudem hätten potenzielle Genossenschaften oder Bauträger im Baurecht laut Buschor anfangs viel geringere Investitionskosten.
Die Interessengemeinschaft Unterkirlen setzt sich unter anderem dafür ein, dass das Areal gemeinsam mit der Bevölkerung geplant wird. Um die Interessen der Quartierbewohner zu ermitteln, haben die Mitglieder der IG kürzlich ein Informationsschreiben in den etwa 40 umliegenden Briefkästen verteilt. «Es wäre super, wenn wir diese Diskussion führen könnten», ist sich Gian Buschor sicher. Die IG selbst zweifelt daran, dass die vorgesehenen Einfamilienhäuser dem Wunsch der Altstätter Bevölkerung entsprechen würden. Laut einer Auswertung der aktuellen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) durch den Tagesanzeiger stellen die Mitglieder der IG zudem fest, dass 75,9 Prozent der Einfamilienhäuser in Altstätten unterbelegt seien. Eine Unterbelegung bedeutet, dass es in einem Wohnraum (Haus oder Wohnung) mindestens zwei Zimmer mehr gibt als Bewohnerinnen und Bewohner. «Wir wollen, dass zuerst sauber geprüft wird, was für Altstätten das Beste ist, bevor ein Stück Stadt für immer verkauft wird. Mit einer Studie oder einem Wettbewerb soll geprüft werden, wie das Areal mit verdichtetem Wohnen und verschiedenen Wohnformen gut genutzt werden kann. «Uns ist es wichtig, dass die Bevölkerung bei diesem Projekt mitreden kann, bevor entschieden wird», sind sich die Mitglieder einig.
Voraussichtlich dauert der Rückbau des ehemaligen Bundesasylzentrums bis ins 1.Quartal 2027. Bis dahin möchte sich die Interessengemeinschaft weiterhin konstruktiv mit dem Stadtrat austauschen und nach Lösungen suchen. Im Zuge der Bürgerversammlung vom 25. November prüft die IG weitere Schritte, um das Thema erneut ansprechen. Die IG Unterkirlen will zudem weiterhin über Instagram und Facebook über den neusten Stand der Weiterentwicklung des Areals informieren.
Von Manuela Müller
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