Leben am Rande des Krieges
Das Ende des Zweiten Weltkriegs jährte sich 2025. Das Museum Prestegg nahm diese Gelegenheit als Ansporn, zwei «lernende Ausstellungen» zu gestalten.
Das Ende des Zweiten Weltkriegs jährte sich 2025. Das Museum Prestegg nahm diese Gelegenheit als Ansporn, zwei «lernende Ausstellungen» zu gestalten.
Altstätten Obwohl die Schweiz von direkten Folgen des Zweiten Weltkriegs verschont blieb, haben die Kriegsjahre tiefe Spuren bei den Menschen hinterlassen. Ganz besonders in den Grenzregionen, so auch im St. Galler Rheintal. Dort fand der Krieg in Sichtdistanz statt. Mit den beiden Ausstellungen «Im Schatten des Krieges – Alltag im Rheintal» und «Rettende Schweiz? – Flucht im Rheintal» will das Museum Prestegg in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems und dem Liechtensteinischen Landesmuseum in Vaduz gemeinsam an die Zeit zwischen 1938 und 1945 grenzübergreifend erinnern. Das Museum Prestegg arbeitet bei diesen beiden Sonderausstellungen mit den Gastkuratorinnen Ursula Stadlmüller, Margit Bartl-Frank, Barbara Thimm und Christina Nanz zusammen. Stadlmüller und Bartl-Frank betrieben die Recherche in Archiven und bauten mit dem Erzählcafé eine niederschwellige Anlaufstelle für Zeitzeugen und deren Nachkommen, um ihre Geschichte und die Erinnerungen in der Ausstellung «Im Schatten des Krieges – Alltag im Rheintal» weiter zu geben.
«Der Krieg ist sehr nahe gewesen, ein Steinwurf entfernt. In der Nacht hatte man schon Angst.» Das ist nur eine der Aussagen von Zeitzeugen, welche Margit Bartl-Frank im Erzählcafé aufgenommen hat. «Ich begann im Jahr 2024, mich mit den Bewohnern aus regionalen Altersheimen zu unterhalten und erfuhr vieles über die Rolle des Rheintals in der Zeit des Zweiten Weltkriegs», erklärt sie. Es entstand eine eigene Dynamik, in der immer wieder Hinweise an Bartl-Frank getragen wurden, wer seine Erinnerungen über die Kriegszeit noch mit der Gastkuratorin teilen möchte. «Bei der Ausstellung selbst liegen zudem Zettel auf, wenn jemand ein Utensil oder seine Geschichte zur Ausstellung beitragen will», erklärt Ursula Stadlmüller. Diese werden jeweils im Anschluss geprüft und die Ausstellung um das neue Museumsstück erweitert. Diese sichtbaren Teile des Krieges werden mit O-Tönen, beispielsweise wie Bombenangriffe im Rheintal zu hören waren, ergänzt.
«Das Konzept sieht vor, das Wissen der Rheintalerinnen und Rheintaler zu sammeln. Vor allem jenes von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen», betont Mirjam Zünd. Die Personen, die den Krieg miterlebt haben, hätten bereits schon ein hohes Alter erreicht, weshalb nun eine der letzten Gelegenheiten sei, diese Geschichten und Erfahrungen aus der Zeit im Zweiten Weltkrieg zu sammeln. «Margit bietet deshalb weiterhin monatlich die Erzählcafés an. Geschichten werden erzählt und in die Ausstellung miteingebunden», sagt Gastkuratorin Stadlmüller. Dabei finden sich in der Ausstellung nebst Utensilien wie Rucksäcke, Vorratsboxen und den damals verteilten «Rationsmärkli» auch Tagebücher, welche das Geschehen vor der eigenen Haustür dokumentierten. «Unsere Ausstellungen über das Kriegsgeschehen bewegen die Besucherinnen und Besucher jeweils sehr», betont Stadlmüller. Dass das Thema des Zweiten Weltkrieges auch heute noch viele Menschen beschäftigt, zeigt die Bilanz, welche die Museumsleiterin Mirjam Zünd nach acht Monaten Ausstellung zieht: «Seit der Eröffnung am 29. August 2025 bis Ende März haben 3850 Personen die Ausstellung besucht.
Von Manuela Müller
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