Ihre Arbeit beginnt weit vor dem Schmerz
Die Tätowierer und Künstler Gass Rupp, Mick Schraner und Ralf Hungerbühler zeigen vom 10. Juli bis 2. August ihre Werke «Vor dem Schmerz».
Die Tätowierer und Künstler Gass Rupp, Mick Schraner und Ralf Hungerbühler zeigen vom 10. Juli bis 2. August ihre Werke «Vor dem Schmerz».
Balgach Vom Schatten ins Rampenlicht: Vor Jahrzehnten galten Tätowierungen noch als verpönt. Von Aussagen wie «Tätowierungen haben nur Kriminelle» erlebte das Tattoo in den letzten Jahren einen regelrechten Boom. «Was in den 70er-Jahren als eine Art Widerstand begann, hat sich heute zu einem Trend entwickelt», erklärt der 60-jährige Tätowierer Mick Schraner. Mittlerweile seien die Leute Tattoos gegenüber viel aufgeschlossener. In der Badi in seinem Heimatort Rehetobel seien mittlerweile kürzlich mehr als die Hälfte der Badibesucher tätowiert gewesen. «Das hat mich sehr erstaunt.» Er geht vor allem von einem «Push» in der Tattooszene durch Shows auf MTV oder auch tätowierte Fussballspieler aus.
Dass so viele Menschen mittlerweile ihre Körperkunst unter der Haut tragen können, ist viel Vorarbeit nötig. «Von der Überlegung bis zur Skizze und dem fertigen Tattoo gibt es viel zu beachten», erklärt der 73-jährige Gass Rupp. «Auch der Kunde muss es sich gut überlegen, was er will», erläutert Rupp. «Denn ein Tattoo hält länger als jede Romanze», ergänzt Schraner lachend. So solle man es sich gut überlegen, bevor man den Namen oder sogar ein Porträt vom Partner oder der Partnerin auf seiner Haut verewige. «Man muss sich einfach bewusst sein, dass man mit etwas herumläuft, das ständig sichtbar ist», betont Rupp. Die Tätowierer hätten zudem eine riesige Verantwortung dem Kunden gegenüber. So könne man beispielsweise nicht ohne Vorahnung ein Tattoo aus der Mythologie stechen. «Auch bei mir im japanischen Stil gibt es einiges zu beachten. Viele haben eine sehr romantische Vorstellung vom japanischen Stil. Jedoch sollte das Tattoo auch hintergründig stimmen. So ist es eher abzuraten einen springenden Karpfen, der in Japan während des Herbstes zu sehen ist und einen im Frühling blühenden Kirschblütenbaum in einem Tattoo zu kombinieren», teilt Mick Schraner sein Wissen. Nicht nur das sind Gedanken, die sich die Experten für Körperkunst machen müssen. Auch bei Bewegung sollte sich die Tätowierung nicht unschön verformen.
Der Schmerz, dem sich die Kundinnen und Kunden aussetzen, sei für viele eine Art Therapie. «Früher ging man zum Friseur und sprach dort über Gott und die Welt, heute kommt man zu uns Tätowierern», sagt Rupp schmunzelnd. «Der Schmerz löst bei manchen einen Redefluss aus, da sie sich vom Schmerz ablenken wollen», führt Mick Schraner aus. Aus den zahlreichen Tattoo-Sitzungen, die in den zusammengerechnet 100 Jahren der Körperkunst der drei Tätowierer, sei so auch die ein oder andere Freundschaft entstanden.
«Es ist an der Zeit, das Tätowieren nicht nur als Stiefkind der Bildenden Kunst, sondern als Bestandteil derer zu betrachten», ist sich Gass Rupp sicher. Zusammen mit Mick Schraner und Ralf Hungerbühler, zeigen die drei Tätowierer, ihre Stile und Geschichten anhand von Skizzen, Bildern und Fotografien. Drei Menschen, die für die Kunst und das Handwerk des Tätowierens brennen. Eine Leidenschaft für eine Tradition, die einmal gesellschaftliche Aussenseiterinnen und Aussenseiter in ihren Bann gezogen hatte und heute als Kunst auf der Haut geschätzt ist und sich stetig weiterentwickelt hat. Ob in traditionellen Motiven oder modernem Design – Tätowieren ist eine Kunst und ein Handwerk gleichermassen, das seinen Platz in allen Schichten der Gesellschaft eingenommen hat.
Von Manuela Müller
Vernissage:
Freitag, 10. Juli, ab 19 Uhr
Ausstellungsdauer:
10. Juli bis 2. August
In der Galerie art dOséra
Hauptstrasse 71, 9436 Balgach
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