Beeinträchtigt «Rhesi» die zukünftige Wasserqualität?
SVP-Kantonsrat Peter Kuster sieht in der Versetzung des Brunnens die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Diepoldsau einige Probleme.
Visualisierung Diepoldsau. Bild: rhesi.org
SVP-Kantonsrat Peter Kuster sieht in der Versetzung des Brunnens die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Diepoldsau einige Probleme.
Region Von der Illmündung bis zum Bodensee: Der Rhein soll durch das Hochwasserschutzprojekt «Rhesi» wieder in einen möglichst naturnahen Zustand versetzt werden. Dafür wird das Flussbett aufgeweitet und dem Rhein wieder mehr Platz gegeben. «Dadurch erhöhen wir die Abflusskapazität von 3'100 Kubikmetern pro Sekunde auf 4'300 Kubikmeter pro Sekunde», erklärt Gesamtprojektleiter Markus Mähr und ergänzt: «Damit sollen Hochwasserereignisse, die statistisch 300-jährlich auftreten, vom Rhein bewältigt werden können.» Das Schadenpotenzial liege dabei je nach Ereignis bei etwa 13 bis 20 Milliarden Franken. Eine Facette des Hochwasserschutzprojektes, betrifft die Grund- und Trinkwasserversorgung. Diese sieht vor, dass Trinkwasserbrunnen, die sich auf der Fläche befinden, die für die Ausweitung des Rheins notwendig ist, versetzt werden müssen. Darunter fällt auch der Brunnen, der die Gemeinde Diepoldsau mit Trinkwasser versorgt.
Die Fassung «Oberer Rheinspitz» befindet sich im Bauperimeter des Hochwasserschutzprojekts «Rhesi». Mit Blick auf die Fassung «Oberer Rheinspitz» hat sich der Rat der Gemeinde Diepoldsau mit dem provisorischen Grundwasserschutzareal «Widenmad» auseinandergesetzt. Diese Thematik war nicht neu: Erste diesbezügliche Abklärungen gehen bis in die 1970er-Jahre zurück. «Die seit 2022 durchgeführten vertieften hydrogeologischen Untersuchungen zeigen auf: In der «Widenmad» befindet sich ein Grundwasservorkommen, das hinsichtlich Menge und Qualität demjenigen am 'Oberen Rheinspitz' gleichwertig ist», schreibt die Gemeinde Diepoldsau in einer Mitteilung Anfang März.
Diese Meinung teilt Kantonsrat Peter Kuster jedoch nicht. Er stellt der Regierung eine Einfache Anfrage, in der er die zukünftige Wasserqualität anzweifelt: «Die Versetzung des Brunnens in die 'Widenmad' bedeutet wiederum, dass die Wasserqualität abnimmt (Geschmack und Trübung). Die Wasserhärte nimmt zu, von jetzt 24 französische Härtegrade (fH°) auf neu 40 bis 50 fH°. Höhere Manganwerte am neuen Standort machen zudem neu eine Ausfällung von Mangan nötig.» Gesamtprojektleiter Markus Mähr revidiert diese Aussage und stützt sich dabei auf die zahlreichen Variantenprüfungen, hydrogeologischen Erkundungen und rechtlichen Einschätzungen, die in Vergangenheit durchgeführt wurden: «Die Wasserqualität der neuen Trinkwasserfassung ist gleichwertig zur bisherigen. Generell gesprochen kann einer Qualitätsminderung entgegengewirkt werden, indem das Wasser aufbereitet wird.» Das gehöre heute zum Standard und werde neu auch in Diepoldsau mit dem Bau des neuen Pumpwerks umgesetzt. Die Zahlen, welche Kuster in seiner Anfrage nenne, stammen aus durchgeführten Untersuchungen. Der Vergleich hinke aber. «Es ist nämlich zu beachten, dass das Wasser bei neuen Brunnen, oder Testbrunnen, zu Beginn einen höheren Härtegrad aufweist, nach einer 'Anlaufzeit' von etwa ein bis zwei Jahren sich aber die normale, weichere Qualität einstellt», erklärt Mähr. Das Wasser werde mit Ozon und Aktivkohle aufbereitet, um die Sicherheit zu erhöhen. Zudem werde die Wasserqualität laufend online überprüft und die Systeme werden redundant (doppelspurig) ausgelegt, sodass jeder Wasserversorger über mindestens zwei unabhängige Fassungen verfügt. Kuster bleibt aber hart: «'Rhesi' soll der Trinkwasserversorgung angepasst werden, und nicht umgekehrt.» Er bleibt bei seiner Meinung, dass das Projekt überdimensioniert sei und zu viel Kulturland bei der Durchsetzung des Projekts verloren gehe. Die Frage, ob das Hochwasserschutzprojekt «Rhesi» nicht nochmals überdacht werden soll, antwortet Mähr selbstbewusst: «Das Hochwasserschutzprojekt ist ein breit abgestimmtes und vom Nationalrat, Stände- und Kantonsrat sowie den österreichischen Gremien getragenes Projekt. Widerstände gegen Projekte dieser Grössenordnung liegen in der Natur der Sache und werden ernst genommen, sind aber kein Anlass, das Projekt zu überdenken.» Seitens der Projektleitung mangelt es nicht an Antworten. Was die Regierung von der Versetzung des Brunnens meint, wird in ein paar Wochen klar sein.
Von Manuela Müller
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